Du holde Kunst Anne Bennent liest Ursula Krechel
So, 25.10. | 8:15-9:00 | Ö1
„Das Gedicht hat keinen Gegenstand, es ist selbst ein Gegenstand, doch einer, der vor den unpoetischen Augen verschwimmt, der sich erst bildet beim genauen Hinsehen, Lesen, Hören.“, schreibt Ursula Krechel in „Auslassungen über das Weglassen“. Die deutsche Schriftstellerin und vorjährige Büchner-Preisträgerin stand in letzter Zeit vorwiegend mit ihren Romanen im Mittelpunkt des medialen Interesses; einen Querschnitt durch ihre Lyrik, die einen wesentlichen Teil ihres Werkes ausmacht, hat sie 2013 für den Band „Die da“ zusammengestellt, der im Vorjahr vom Jung und Jung Verlag wiederaufgelegt wurde. Er versammelt Gedichte, die abseits ihrer Lyrik-Zyklen entstanden sind. Sie stammen aus Bänden wie „Verwundbar wie in besten Zeiten“ (1979), „Technik des Erwachens“ (1992), „Verbeugungen vor der Luft“ (1999) oder „Jäh erhellte Dunkelheit" (2010)."An jedem Zeilenrand verzweigen sich die Möglichkeiten ins Unendliche“, schreibt Krechel über den lyrischen Entstehungsprozess, nötig würde dadurch „ein dauerndes, doch kein bedauerndes Weglassen. Die Potentialität wird auf das Maß der Realität eines einzelnen Textes reduziert. Was in das Gedicht hineinkommt, lässt sich ex negativo lesen: Was aus den unzähligen lexikalischen Möglichkeiten, die die Wörterbücher auflisten, gelangt nicht ins Gedicht?… Innovationen sind häufig Reduktionen."Ursula Krechel, 1947 in Trier geboren, war Theaterdramaturgin und lehrte an der Universität der Künste Berlin und an der Washington University St. Louis. Ihr literarisches Werk umfasst Romane, Gedichte, Essays, Theaterstücke und Hörspiele. Ursula Krechel wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 2025 der Georg-Büchner-Preis. Sie lebt in Berlin.Zu den Gedichten ist Musik von François Couperin, Joseph Haydn, Johann Sebastian Bach, Francis Poulenc, Louise Farrenc, Jean Francaix, Pauline Viardot, Gaspard Le Roux und Dietrich Buxtehude zu hören.
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