Radiokolleg Ungarn – Eine Spurensuche (4)
Do, 22.10. | 9:05-9:30 | Ö1
Wer bestimmt eigentlich, welche Geschichten erzählt werden? Welche Stimmen gehört werden, welche in Erinnerung bleiben und welche verschwinden? In Ungarn war das in den vergangenen Jahrzehnten immer auch eine Frage politischer Macht. Besonders deutlich zeigt sich das am öffentlich-rechtlichen Rundfunk.Mitten in Budapest stand einst ein mächtiger Gebäudekomplex, in dem seit 1928 Radiogeschichte geschrieben wurde. Hier begann 1956 der ungarische Volksaufstand. Jahrzehnte später wurde der Rundfunk unter Viktor Orbán zunehmend politisch kontrolliert, das alte Gebäude abgerissen und der Sender an den Stadtrand verlegt.Die Journalistin Mari Lang hat 2009 selbst einige Monate in diesem Radio gearbeitet. Als sie 2026 zurückkehrt, ist von ihrem einstigen Arbeitsplatz kaum noch etwas übrig. Dafür steht Ungarn nach 16 Jahren Orbán vor einem politischen Neuanfang. Auch die Medienlandschaft soll sich verändern. Mari Lang trifft Menschen, die unter Orbán ihre Arbeit verloren haben oder jahrelang für unabhängigen Journalismus gekämpft haben. Und sie spricht mit dem neuen Präsidenten des ungarischen Medienrates über die schwierige Aufgabe, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.Was braucht es, damit eine freie und vielfältige Öffentlichkeit wieder entstehen kann? Und wie viel Vergangenheit steckt in einem politischen Neuanfang?Fragen nach Erinnerung und dem Erzählen von Geschichte haben Mari Lang auch auf ihrer persönlichen Spurensuche begleitet. Denn am Anfang ihrer Reise stand eine alte Schuhschachtel voller Familienfotos. Vier Generationen von Frauen, deren Leben von den politischen Umbrüchen Ungarns geprägt wurde. Und die Erkenntnis, dass es sich lohnt, auch die vertrautesten Geschichten noch einmal neu anzuschauen.Gestaltung: Mari Lang
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