Radiokolleg Ungarn – Eine Spurensuche (3)

Mi, 21.10.  |  9:05-9:30  |  Ö1
Vom Auswandern

Wie viel von uns selbst steckt in unserer Muttersprache? Und was passiert, wenn wir sie plötzlich kaum noch sprechen können? Wer in ein anderes Land auswandert, lässt nicht nur Menschen und Orte zurück. Sondern oft auch ein Stück der eigenen Identität.1977 verlässt Mari Langs Mutter Ungarn. Sie hat sich in einen Österreicher verliebt, die beiden heiraten in Budapest. Vier Monate muss sie warten, bis sie ausreisen darf. In Österreich beginnt für die junge Ungarin ein völlig neues Leben. Sie spricht kein Deutsch, kennt außer ihrem Mann niemanden und ist plötzlich auf ihn angewiesen. Dazu kommt der schmerzhafte Verlust ihrer ungarischen Staatsbürgerschaft.Mari Lang wächst in Österreich auf. Ihre Mutter spricht Ungarisch mit ihr, sie selbst antwortet auf Deutsch. Als Kind ist ihr die fremde Sprache manchmal sogar peinlich. Erst viele Jahre später, als sie selbst einige Zeit in Budapest lebt, entdeckt sie, wie viel ihr die Sprache ihrer Mutter eröffnet. Und wie sehr sich auch ihre Beziehung dadurch verändert.Gemeinsam mit ihrer Mutter und einer Sprachwissenschafterin geht sie der Frage nach, was Migration mit der eigenen Identität macht. Was geht verloren, wenn die vertraute Sprache im Alltag kaum mehr Platz hat? Und was lässt sich vielleicht auch Jahrzehnte später wiederfinden?Eine persönliche Geschichte über das Auswandern und Ankommen, über Sprache als Stück Heimat und darüber, wie man sich durch sie manchmal auch einen Menschen ganz neu erschließen kann.Gestaltung: Mari Lang

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