Vorgestellt Mozarts „Gran Partita“ mit Milan Turkovic am Pult
Mo, 27.07. | 11:30-12:00 | Ö1
Schon früh war der Nachwelt der besondere Rang von Wolfgang Amadeus Mozarts Serenade B-Dur KV 361 klar, dieses eigentümlichen, prunkvollen Werks, das durch einen Titelzusatz von fremder Hand als „Gran Partita“ bekannt wurde. Dabei wissen wir nicht, wann genau und zu welchem Anlass dieses siebensätzige Werk entstanden ist. Jedenfalls fügte Mozart dem üblichen Bläseroktett mit je zwei Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten fünf Instrumente hinzu: ein weiteres Paar Hörner, einen Streicher-Kontrabass als Betonung des Fundaments und zwei Bassetthörner, diese dunklen Tenorinstrumente der Klarinettenfamilie.Zusammen ergeben sie eine „große blasende Musik von ganz besonderer Art“, wie Mozarts Freund, der Klarinettist Anton Stadler, in einer Konzertankündigung von 1784 schrieb: Aus der gehobenen Abendunterhaltung wird höchste Kunst, die auch auf eine andere, neue Qualität des Zuhörens zielt: Der Gestus ist symphonisch. Im Konzertsaal hat die „Gran Partita“ aufgrund ihrer ungewöhnlichen Besetzung keinen fixen Platz, im Plattenstudio wurde sie aber keineswegs vernachlässigt: Zuletzt entstanden während der ersten Hochblüte der CD und im wachsenden Interesse am neuen Mozartbild der diversen, vor allem britischen Originalklangensembles besonders zahlreiche Aufnahmen. Sogar Pierre Boulez hat das Werk 2008 mit seinem eigentlich auf Neue Musik spezialisierten Ensemble Intercontemporain eingespielt. Wer allerdings zu einer Aufnahme greifen wollte, die dem speziellen Wiener Klangideal huldigte, hatte es nicht leicht: Nach dem unverzichtbaren Dokument mit den Wiener Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler aus dem Jahr 1947 waren die heimischen Einspielungen rare Ausnahmen.Nun ist also eine neue Alternative auf dem Markt. Milan Turkovic, als Fagott-Solist auf modernen wie historischen Instrumenten international gefragt, in der Soloposition einst bei den Bamberger und dann den Wiener Symphonikern sowie in Nikolaus Harnoncourts Concentus Musicus tätig, als studierter Dirigent aber auch immer mehr am Pult aktiv, ist mit der jungen Symphoniker-Generation (der 1. Fagottist Richard Galler hat bei ihm studiert) ins Studio gegangen. Gemeinsam bringen sie althergebrachte Spiel- und Klangtraditionen mit neueren Erkenntnissen zur Aufführungspraxis in Harmonie – in ganz wörtlichem Sinne.
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