Bayern 2 Hörspiel "Taperecordings eines metaphysischen Ingenieurs" von F. Pessoa

So, 26.07.  |  15:05-16:35  |  Bayern 2
Stereo 
Kaum ein anderer Autor hat die Auflösung der Ich-Grenzen so weit getrieben wie er. Der Dichter und Handelskorrespondent Fernando Pessoa (1888-1935) bleibt zeitlebens ein Wandler zwischen den Welten und den Kulturen, ein Getriebener, der bescheiden in der Unterstadt Lissabons seiner Büroarbeit nachging, aber wie ein Besessener schrieb und eine neue portugiesische Literatur forderte. Sich selbst attestierte er eine "angeborene, beständige Neigung zur Entpersönlichung und Verstellung". Alberto Caeiro, Álvaro de Campos und Ricardo Reis sind nur drei der Heteronyme, die Pessoa ein Leben lang begleiteten, durch die er sich ausdrückte und in denen er teilweise verschwand. In "Taperecordings eines metaphysischen Ingenieurs" hat Kai Grehn kurze Erzählungen, Gedichte, Texte und Sätze von Pessoa zu einer Partitur vereint und diese vertont. Es sind poetische Miniaturen, Erkundungen mittels Sprache eines von der Philosophie stark beeinflussten Dichters. Texte, die einem die existentiellen Empfindungen Pessoas, sein widersprüchliches Wesen, seine Realitätsverweigerung, die Liebe zu seinen Mitmenschen, seinen weiten geistigen Horizont, aber auch seine Einsamkeit und Fremdheit näherbringen.
"Unter all den Zeilen und Versen Pessoas findet sich ein Satz, der bei dieser Arbeit für mich die gleiche Bedeutung besessen hat, wie für die Seefahrer in früheren Zeiten der Polarstern: 'Die Musik, der Mond und die Träume sind meine magischen Waffen'." (Kai Grehn)

Von Fernando Pessoa
Aus dem Portugiesischen von Inés Koebel
Mit Robert Gwisdek
Komposition: Shaban (Special Guest: Claudia Graue, Käptn Peng)
Regie: Kai Grehn
BR 2020

Im Anschluss:

Das Radio der Zukunft
1921 entwirft Chlebnikov - Futurist, Utopist, Schwarmgeist, Wortzertrümmerer und Wortschöpfer - einen Essay über die Zukunft des Radios. Alles konnte damals noch vom Radio gewollt, erwünscht und erträumt werden, als dieses am Tag kaum eine Stunde krächzend und rauschend sendete. Das Radio der Zukunft fängt den Sound des frühen Radios ein und ist ein utopisches Fragment, das Nachricht gibt, wohin sich das Radio hätte entwickeln können.

Von Velimir Chlebnikov
Aus dem Russischen von Martin Zeyn
Mit Valeri Scherstjanoi und Holger Czukay
Komposition: Ernst Horn
Regie: Martin Zeyn, Bernhard Jugel
BR 1995

Diese Sendung hören Sie auch in ARD Sounds bei Bayern 2.

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