Vorgestellt Extravagante Renaissance-Musik
Mo, 15.06. | 11:30-12:00 | Ö1
Das Album „Flamboyance“ (zu Deutsch „extravagant“) führt unmittelbar in die Klangwelt des 14. und 15. Jahrhunderts. Das Sollazzo Ensemble, für diese Einspielung auf bis zu zwanzig Sängerinnen, Sänger und Instrumentalistinnen erweitert, spannt einen Bogen vom italienischen Trecento bis zum Beginn der Burgunderzeit. Das mehrfach ausgezeichnete Ensemble vereint Musikerinnen und Musiker aus ganz Europa und präsentiert Motetten, Chansons, Madrigale, Tänze und geistliche Werke von Landini, Ciconia, Du Fay, Binchois und ihren Zeitgenossen. Die Aufnahme zeigt, wie sich polyphone Musik über regionale, kirchliche und weltliche Grenzen hinweg verbreitete und lässt eine Epoche lebendig werden, die von farbigem Ausdruck, Eleganz und stetiger musikalischer Erneuerung geprägt ist. Die Darbietung ruft die Atmosphäre fürstlicher Bankette und feierlicher Zeremonien wach.Die Aufnahme „La Nobiltà di Milano – Music from the City of the Spanish Viceroys“ richtet den Blick auf das Mailand der spanischen Habsburger im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert – eine kulturell dichte, heute jedoch wenig beachtete Phase. The Breathtaking Collective und die Cappella Mariana stehen exemplarisch für eine europaweit vernetzte, historisch informierte Musikpraxis. Unter der Leitung von Bruce Dickey entfalten die transeuropäisch besetzten Ensembles eine farbenreiche Palette, die das vielfältige kulturelle Leben jener Zeit eindrucksvoll widerspiegelt. Doppelchörige Motetten, Canzonas und expressiv gestaltete Madrigale – darunter Werke des Violinvirtuosen Francesco Rognoni Taeggio – sowie Kompositionen von Giovan Paolo und Andrea Cima, Agostino Soderini, den Brüdern Rognoni Taeggio und Giuseppe Gallo ergeben ein dichtes, zugleich facettenreiches musikalisches Panorama.Beide CDs öffnen so auf jeweils eigene Weise den Blick auf zwei Epochen, deren musikalische Vitalität bis heute fasziniert und offenbaren einmal mehr, wie vernetzt die Europäische Alte-Musik-Gemeinschaft jenseits aller Staatsgrenzen hinaus agiert.
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